#02 Warum hast du geheiratet? Über Motive, Projektionen und die Wahrheit hinter dem Ja-Wort

Shownotes

Warum hast du eigentlich geheiratet?

Diese Frage wirkt im ersten Moment einfach. Und gleichzeitig hat sie die Kraft, alles zu verändern.

In meiner Arbeit als Familienrechtsanwältin höre ich Sätze wie: „Ich wollte einfach nur raus von zu Hause.“ „Es war der richtige Zeitpunkt.“ „Alle haben geheiratet.“

Selten höre ich: „Ich wusste genau, warum ich mich für diesen Menschen entschieden habe.“

Und genau hier beginnt das eigentliche Thema.

Viele Ehen entstehen nicht aus einer bewussten Entscheidung heraus, sondern aus Mustern, Prägungen und inneren Bildern davon, wie Leben „sein sollte“.

Wir heiraten nicht nur einen Menschen. Wir heiraten oft auch: – unsere Sehnsucht nach Sicherheit – unsere Vorstellung von Familie – unsere unbewussten Erwartungen

Und genau dort entsteht später der Konflikt.

Worum es in dieser Folge geht:

Warum wir heiraten – und welche Motive wirklich dahinterstehen Der Unterschied zwischen echter Entscheidung und unbewusster Prägung Warum wir oft ein „Bild“ heiraten – und keinen realen Menschen Der emotionale Bruch zwischen Erwartung und Realität Der „Gap“ zwischen Beziehung und juristischer Wahrheit

Ein Gedanke, den du mitnehmen kannst: Die Frage „Warum habe ich geheiratet?“ ist keine Anklage. Sie ist eine Einladung. Zur Ehrlichkeit. Und zur Verantwortung für das eigene Leben.

Ich sehe Paare meist erst dann, wenn die Beziehung bereits zerbrochen ist.

Und genau deshalb ist diese Frage so wichtig: Nicht erst am Ende – sondern idealerweise viel früher.

Denn Klarheit am Anfang kann viel Schmerz am Ende verhindern.

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Transkript anzeigen

00:00:33: Herzlich Willkommen zur zweiten Folge Familie Recht neu gedacht.

00:00:38: Ich bin Bettina Stock, Familienrechtsamwelt hin und heute stelle ich eine Frage die mir oft beantwortet wurde ohne dass sich sie laut gestellt hatte.

00:00:49: Die Menschen erzählen mir davon Und die Frage lautet warum heiraten Menschen eigentlich?

00:00:58: Diese Frage wird mir seit fünfundzwanzig Jahren beantwortet.

00:01:05: Und irgendwann habe ich angefangen, mir sie selbst zu stellen – nicht aus Neugier, sondern weil ich die Antworten auf diese Frage ja immer höre wenn es eigentlich schon zu spät ist, wenn jemand vor mir sitzt und die Ehe beenden will.

00:01:19: Gestern hatte ich Entscheidungstermin im süddeutschen Raum und im Anschluss an die Scheidung sagte meine Mandant hinzu mir, wissen Sie, ich hab mein Mann damals geheiratet weil ich von zu Hause raus wollte.

00:01:34: Der Mann ist dreizehn Jahre älter als sie, der war damals schon im Leben angekommen, war finanziell unabhängig, hatte eine eigene Wohnung ein Einkommen und konnte ihr einen Lebensstandard und damit auch eine gewisse Sicherheit bieten – für Sie war das der Weg von zuhause rauszukommen!

00:01:52: Und vielleicht der einfachste Weg den sie damals sehen konnte?

00:01:56: So hat sie mir das gestern erzählt….

00:01:58: Und sie sagte mir, und irgendwann haben wir dann geheiratet.

00:02:02: Gar nicht so als große Entscheidung sondern... ...als nächster Schritt!

00:02:06: Als das was man eben macht und sie sagte auch Wir war das gar nicht so klar was das bedeutet.

00:02:12: Und zwölf Jahre später saß sie bei mir wegen ihrer Trennung und Scheidung.

00:02:19: Wenn ich mit meinen Mandanten und Mandaten-Tinnen darüber spreche warum sie geheirattet haben Dann höre ich Sätze, wie wir waren schon so lange zusammen.

00:02:31: Wissen Sie damals haben einfach alle geheiratet?

00:02:34: Es war einfach der nächste Schritt.

00:02:36: und ganz oft höre Ich... Frau Stock wissen sie!

00:02:40: Ich dachte immer er ändert sich noch.

00:02:44: Und was mir als Beobachterin denn mehr bin ich ja nicht Bei diesen Gesprächen und auch im Bezug auf diese Aussagen auffällt ist es all diese Antworten sich um eine Person drehen nämlich um die eigene Person um ein eigenes Bedürfnis, um ein Bild das man im Kopf hat von einer Zukunft die man sich wünscht und dem man sich vorstellt.

00:03:09: Ich will Kinder ich will nicht allein sein!

00:03:12: Ich will ankommen... ...ich will von zu Hause raus.

00:03:16: Alles legitime Wünsche gar keine Frage.

00:03:21: Und manche Menschen heiraten einfach aus einer Verliebtheit heraus.

00:03:25: Vielleicht ist das sogar das schönste Motiv Manche aus einem Sicherheitsbedürfnis und manche, weil es stille Erwartungen erfüllt.

00:03:37: Die Familie erwartet das geheiratet wird.

00:03:40: Ich selbst erwarte es von mir, weil ich in einem bestimmten Alter um die dreißig bin.

00:03:46: Es wird von der Gesellschaft erwartet – oft unausgesprochen, weil's eben so ist!

00:03:54: Und oft glauben die Menschen jetzt wird alles

00:03:57: gut.".

00:03:58: Jetzt wird alles schön und jetzt wird alles besser.

00:04:03: Und ich vergesse nie, dass einmal ein Mandant zu mir gesagt hat.

00:04:08: Da hatte ich ihn gefragt warum haben sie ihre Frau eigentlich geheiratet?

00:04:13: Und er sagte mir wir haben beide Handball gespielt!

00:04:18: Wir waren sportlich und das hat gepasst.

00:04:21: für mich war es die Aussage die eher als Freizeitmodell.

00:04:26: Das klingt für manchen von euch vielleicht seltsam, aber für mich nicht.

00:04:33: Es war immer ein Bild was die Menschen begeleitet und vielleicht auch angeleitet hat – ein Bild von einem gemeinsamen Leben das sich eben stimmig anfühlte von innen heraus.

00:04:46: Was ich jedoch nach all diesen Jahren als Scheidungsanwältin glaube ist und dass die Menschen kein Gegenüber heiraten, sie heiraten ein Bild.

00:04:58: Ein Bild von sich selbst in einer bestimmten Zukunft!

00:05:02: Und der andere ist dabei – und das sage ich ohne jeden Vorwurf – vor allem eins — einen Wunscherfüller vielleicht eine Projektionsfläche.

00:05:13: Das geschieht nicht bewusst.

00:05:15: Kein Mensch denkt, ich benutze jetzt diesen Menschen für meine Bedürfnisse und ich behaupte einfach mal niemand geht mit böser Absicht in eine Ehe.

00:05:25: Das ist Unbewusstheit – und das ist zutiefst menschlich!

00:05:30: Aber es ist eben auch etwas anderes als den anderen Menschen meinen Partner wirklich zu sehen, den Anderen so zu sehen wie er isst und nicht wie er sein sollte… nicht wie er vielleicht noch werden könnte, sondern so wie er heute ist mit allem was er mitbringt.

00:05:54: Und dann kommt das Leben.

00:05:57: und das Leben ist nicht statisch.

00:05:59: Menschen entwickeln sich und oft entwickelt man sich ganz anders als man es sich nur hätte vorstellen können.

00:06:07: Wir menschen wachsen wir verändern uns manchmal gemeinsam und manchmal in unterschiedliche Richtungen.

00:06:16: Und dann passiert etwas Interessantes, das Bild dass man geheiratet hat passt nicht mehr.

00:06:24: Der andere Mensch hat sich verändert oder man selbst Kinder sind da Karriere ist gemacht oder auch nicht.

00:06:34: Unabhängigkeit ist erreicht.

00:06:36: vielleicht der ursprüngliche Grund warum man einst Geheiratete hat hat sich überholt existiert vielleicht so nicht mehr, hat sich bestenfalls erfüllt.

00:06:52: Und was mich dann immer wieder erstaunt und auch erschreckt ist das dieses neue Bild und es hat sich überholt!

00:07:04: Es ist erreicht.

00:07:05: oder der Zweck dieser Bindung, Verbindung ist erfüllt oft nicht gesehen wird sondern Es werden stattdessen Vorwürfe erhoben, gegen den anderen.

00:07:22: Er versteht mich nicht mehr!

00:07:24: Sie ist nicht mehr die Frau, die ich mal geheiratet habe.

00:07:28: Ganz oft höre ich, Frau Stock, Ich erkenne mein Mann nicht mehr.

00:07:33: Wir reden nicht miteinander.

00:07:35: Entweder nicht mehr oder haben es noch nie getan.

00:07:38: Thema für eine andere Folge Alles ist so anders geworden – alles hat sich verändert.

00:07:46: Vielleicht ist das so, aber vielleicht ist die ehrlichere Frage eine andere.

00:07:52: Haben wir je wirklich miteinander geredet?

00:07:56: Haben wir wirklich versucht den anderen zu sehen, zu erkennen jenseits Desbildes dass wir von ihm haben oder hatten?

00:08:07: Sehe ich mich selbst!

00:08:09: Ich bin Familienrechtsanwälte und ich möchte euch deswegen An dieser Stelle auch kurz sagen, das ist jetzt sehr ernüchternd.

00:08:17: Was eine Ehe juristisch bedeutet?

00:08:19: Was ist das eigentlich?

00:08:21: Und es ist ein Vertrag!

00:08:23: Die Eheschließung ist für uns Juristen kein romantischer Akt – es war für mich persönlich schon als ich geheiratet habe, es gibt ja immer zwei Ebenen.

00:08:33: aber rein rechtlich gesehen ist die Ehe ein Vertraget zwischen zwei Menschen der begründet Rechte und Pflichten Unterhaltsansprüche, güterrechtliche Themen, Ansprücheverpflichtungen zu Gewinnausgleich als Stichwort.

00:08:52: Erbrechtliche Folgen sind damit verknüpft – sorgerecht und umgangsrecht.

00:08:57: für den Fall das man Eltern ist kein Versprechen den anderen in seinen Veränderungen zu begleiten.

00:09:20: Und das wird erst sichtbar, wenn die Ehe zerbricht – zumindest für die meisten von uns!

00:09:26: Wenn jemand bei mir sitzt, dann wird aus diesem Bild, dass ich einst geheiratet hatte, dass sich vor meinem Leben und dieser Ehe hatte plötzlich dieser nüchterne Vertrag.

00:09:37: Aus Gefühlen werden Ansprüche.

00:09:40: Aus dem was man sich vorgestellt hat, was nach Gesetz- und Beweislastregelungen möglich ist.

00:09:49: Und das es entnüchternd, das ist oft befremdlich – und manchmal ist es für den ein oder anderen vielleicht auch befreiend!

00:09:58: Aber die Ehe ist so wie wir sie uns vorstellen als Versprechen des Lebens her nie so als unser inneres Bild wirklich aufgeschrieben wurde... Wenn überhaupt etwas aufgeschrieben worden ist, dann ist es dieser Vertrag zwischen zwei Menschen der Rechten und Pflichten begründet.

00:10:20: Und das macht manchmal eine Trennung so unglaublich schwierig weil wir dort diese unglaubliche Divergenz haben zwischen meinem Bild meiner inneren tiefsten Emotionalität und dem was rechtlich isst.

00:10:38: Da besteht ein großer Gap.

00:10:41: Und das ist jetzt ein kleiner Exkurs, ich sehe es als meine Aufgabe an, als Familienrechtsanwältin genau diesen Gap diese Lücke zu schließen beziehungsweise durch meine Arbeit zu überbrücken und eine Verbindung herzustellen.

00:10:57: Ich möchte gerne noch etwas Persönliches sagen – ich selbst bin verheiratet!

00:11:02: Fast zwanzig Jahre, ich habe spät geheiratet.

00:11:05: Aber auch ich habe in den zwanzigeren Ehe erlebt was es bedeutet wenn das Leben nicht so verläuft wie man es sich vorgestellt hat.

00:11:14: Als mein Sohn noch sehr sehr klein war verunfallte meine Mutter und wurde zum Dauerpflegefall.

00:11:22: Ich war ihre einzige Angehörige.

00:11:25: Ich führte zu dem damaligen Zeitpunkt und da war ich schon am Rande meiner Belastbarkeit mit dem kleinen Kind eine wirklich gut laufende Kanzlei, mit allem was das bedeutet.

00:11:34: Mit Personal, mit Verpflichtungen – mit vielen Arbeitsstunden!

00:11:39: Und ich war schon in dieser inneren Grätsche zwischen «ich will eine gute Mutter sein», »Ich will bei meinem Kind sein", weil ich es natürlich abgörte schliebe….

00:11:49: aber ich bin ja auch immer noch Anwältin Und in dieser für mich sehr belasteten und aus sensiblen Zeit nahm mein Mann einen Job an, in zweihundertfünfzig Kilometern Entfernung.

00:12:07: Was ihn sehr glücklich gemacht hat – mich nicht!

00:12:12: Es war ein Karriere-Sprung für ihn auf den Erlange gewartet hatte nach einer Zeit, nach Jahren in denen er beruflich nicht da war wo er sein wollte.

00:12:23: Wir haben unglaublich viel gestritten.

00:12:27: Das war keine schöne Zeit für uns anfangs, jeder stand, eisern auf seinem Posten und jeder von uns hat sich verteidigt.

00:12:38: Ich war in echter Not!

00:12:40: Und er hatte endlich die Chance derer sich gewünscht hatte – das Timing des Universums?

00:12:47: Vielleicht hat es das Bewusstgewählt….

00:12:50: ich weiß es

00:12:51: nicht.".

00:12:52: Für mich war jedoch irgendwann entscheidend, ich kam an dem Punkt dass ich für mich gesagt habe Ich kann und will ihm diese Chance nicht nehmen.

00:13:03: Ich wollte nie das er irgendwann zu mir sagt wegen dir hab' ich das damals nicht gemacht.

00:13:11: Und es kam noch ein anderer Punkt dazu mein Mann hat mich in den ganzen Aufbaujahren meiner Kanzlei immer unterstützt.

00:13:22: Mein Mann war immer da für mich.

00:13:25: Immer!

00:13:26: Und ich habe mich in dieser Zeit dafür entschieden, dass er jetzt am Zug war.

00:13:35: Es war jetzt seine Zeit Meine war es ohnehin nicht mehr.

00:13:40: Das war eine sehr bewusste Entscheidung von mir und Ich hab diese Entscheidung nie bereut.

00:13:50: das ist jetzt dreizehn Jahre her.

00:13:53: Es war die richtige Entscheidung, gerade rückblickend und die Entscheidung hat uns gut und gesund weitergetragen.

00:14:03: Für mich ist jedoch wichtig dass ich euch sage eine Ehe hält nicht weil zwei Menschen zueinander passen.

00:14:09: Die Ehe Hält Weil Zwei Menschen sich immer wieder für einander entscheiden Gerade in den Wüsten Zeiten die Staub trocken sind und man den anderen kaum noch im Blick hat.

00:14:25: Und ich möchte diese Folge mit einer Idee beenden, die mich schon lange begleitet.

00:14:31: Vielleicht ist es an der Zeit, die Vorstellung loszulassen, dass eine Ehe ein Leben lang halten muss – nicht weil Ehen nicht halten sollen sondern weil der Druck dieser Vorstellung oft genau das verhindert was eine Eher am Leben erhält!

00:14:49: Das ehrliche tiefe Gespräch.

00:14:53: Wenn eine Ehe unter dem Druck steht, lebenslänglich zu bedeuten, kann sie zu einer Festung werden.

00:15:02: Man sagt nicht mehr was man denkt, man fragt nicht mehr, was man fühlt und man hält an dem Inneren Bild fest – und will dieses unbedingt aufrecht erhalten!

00:15:12: Wie wäre es wenn wir stattdessen fragen würden?

00:15:16: Wer bist du heute?

00:15:18: Wer bin ich heute?

00:15:20: Und wie wollen wir das miteinander

00:15:22: machen?".

00:15:23: Eine Ehe ist keine Entscheidung, die man einmal trifft.

00:15:28: Sie ist eine Entscheidung, wie man immer wieder trifft – täglich in den kleinen Momenten, in schwierigen Zeiten, in den so anstrengenden Umbruchphasen wenn das Leben sich verändert und man sich noch gar nicht sicher ist wohin?

00:15:46: Und vielleicht ist die tiefste Form dieser Entscheidung Nicht zu lieben, obwohl er so ist wie er ist.

00:15:57: Sondern weil er so isst wie er isst.

00:16:02: Das ist keine Garantie und das ist kein Rezept Aber es ist eine Art mit dem anderen im Raum zu sein.

00:16:10: Wenn dich diese Folge beschäftigt dann nimm dir ruhig einen Moment Ein Moment mit der Frage warum du geheiratet hast oder Warum du es vielleicht möchtest.

00:16:20: bitte niemals als Vorwurf an dich selbst sondern als Einladung hinzuschauen.

00:16:26: In der nächsten Folge geht es um Eheverträge, ein Thema das viele Menschen unwohl fühlen lässt als wäre allein das Gespräch darüber ein schlechtes Zeichen.

00:16:39: ich sehe dass differenzierter und warum?

00:16:42: Das erzähle ich euch dann bis dahin.

00:16:44: Ich freue mich wenn ihr dabei bleibt Und wenn du mehr erfahren möchtest über mich Dann findest Du mich unter Bettina – Stockpunkt.de.

00:16:54: Alles Liebe und bis bald, deine Bettina!

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