#08 KI und die Zukunft des Familienrechts
Shownotes
KI und die Zukunft des Familienrechts – Warum ein Algorithmus keine unbequemen Fragen stellt
Künstliche Intelligenz ist im Kanzleialltag angekommen. Immer häufiger kommen Mandant:innen mit fix und fertig formulierten Scheidungsfolgenvereinbarungen aus Tools wie ChatGPT in die Beratung.
In dieser Episode von „Scheidung mit Frau Stock“ wirft Familienrechtsanwältin und Mediatorin Bettina Stock einen nüchternen, unaufgeregten Blick auf das Werkzeug KI. Sie erklärt, warum digitale Eigenrecherche ein hervorragender Anker für das erste juristische Verständnis sein kann, warnt aber gleichzeitig vor den subtilen Gefahren: KI erzeugt oft einen trügerischen „Fehlanker“. Sie gießt unüberlegte Wünsche in hochprofessionell klingende Juristensprache, ohne dass die Beteiligten die langfristigen Konsequenzen verstehen oder die nötigen emotionalen Klärungsprozesse durchlaufen haben.
Die Schwerpunkte dieser Folge: • Vorbereitung vs. Urteilskraft: Wie KI-gestützte Recherche hilft, Fachbegriffe wie Zugewinn- oder Versorgungsausgleich zu entmystifizieren – und warum Orientierung noch kein echtes Wissen ist. • Das Phänomen der „Wunschlisten-Verträge“: Warum ein perfekt strukturierter Text auf dem Bildschirm oft nur bedrucktes Papier bleibt, das an den realen Bedürfnissen vorbeigeht. • Gefährliche Scheinsicherheit im Praxis-Check: Bettina teilt ein anonymisiertes Beispiel über ein Trennungspaar, das mittels KI einen rechtlich absurden Mietvertrag für das eigene Haus aufgesetzt hat, um unbewusst tieferliegendere Konflikte zu überdecken. • Was Recht kann und KI niemals lernt: Warum Algorithmen zwar Paragrafen anwenden, aber niemals Haftung übernehmen. Nuancen zwischen den Zeilen lesen oder die entscheidenden, unbequemen Fragen für die nächsten 15 Jahre Ihres Lebens stellen können. • Das Berufsbild der Zukunft: Warum standardisierte Verfahren bald komplett digital ablaufen werden und warum Familienrechtsanwält:innen in Zukunft vielmehr als Coaches, Navigator:innen und Prozessbegleiter:innen gebraucht werden.
Bettina lädt dazu ein, KI als Einstieg zu nutzen, das Dokument aber locker zu lassen. Denn überall dort, „wo es menschelt“, braucht es den Menschen, um eine faire, tragfähige Zukunft zu gestalten.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Ich arbeite seit fünfundzwanzig Jahren mit Menschen, die mitten im Trennungsprozess stecken.
00:00:05: Und was ich immer wieder wahrnehme und erlebe ist – die meisten Menschen kommen zu mir mit dem Gefühl das alles verloren ist.
00:00:15: Alles ist zu Ende!
00:00:17: Und es geht nur noch darum möglichst viel zu retten oder möglichst wenig zu verlieren.
00:00:24: Aber ich sehe und glaube auch noch etwas anderes.
00:00:29: Ich behaupte, dass Trennung ein Prozess ist.
00:00:33: Einer der lange vor der Trennung beginnt – manchmal schon in dem Moment, in dem wir Ja gesagt haben!
00:00:40: Ein Prozess, der durch Ebenen führt die meisten Menschen vielleicht nie bewusst betreten.
00:00:46: Die eigenen Prägungen, die wir mitbringen, die Muster, die eine Beziehung still zersetzen Der Kipppunkt an dem Hilflosigkeit die Hoffnung überholt Und schließlich die Frage, was kann recht wirklich leisten und was nicht.
00:01:04: Wer diese Ebenen kennt, kann bessere Entscheidungen treffen, leidet weniger und geht hoffentlich freier weiter.
00:01:14: Darum geht es heute!
00:01:16: Was wäre, wenn Trennung nicht das Ende wäre?
00:02:08: In der letzten Folge haben wir über das gesprochen, was eine Trennung innerlich auslöst.
00:02:21: Über Enttäuschung, die vielleicht keine Enttäuschung ist sondern das Ende einer Illusion über Schmerz, Scham und die leise Erkenntnis, die irgendwann kommt.
00:02:33: und was Dauerstress mit einem Macht auf physischer und psychischer Ebene Was ich in meiner Praxis immer wieder erlebe.
00:02:42: diese innere Belastung bleibt Innen!
00:02:45: Sie schlägt sich körperlich nieder Menschen, die eine Trennung durchleben und eskaliert, die sich hinzieht, die keine Richtung hat außer Aggression – sie erkranken.
00:02:56: Der Stress wird zur Dauerbelastung und die Dauer- belastung erhöht alles was ohnehin schon schwer ist.
00:03:04: Das ist kein Zufall und das ist ein Grund mehr warum der Weg durch eine Trenchung genauso entscheidend ist wie das Ergebnis und vielleicht sogar mehr wiegt!
00:03:16: Heute möchte ich dir dazu einen Rahmen geben.
00:03:20: Kein Patentrezept, denn das gibt es nicht!
00:03:23: Jede Trennung ist anders und so verschieden und so individuell wie die Menschen selbst – aber es gibt etwas, dass ich in fünfundzwanzig Jahren immer wieder wahrgenommen habe und immer wieder warnehme.
00:03:37: Das sind die Fünf Ebenen, die fast jede Trennung durchzieht, ob bewusst oder unbewusst sichtbar oder
00:03:45: verbogen.".
00:03:46: Für mich sind das die fünf Ebenen der Trennung.
00:03:51: Wenn ich an die Paare denke, die ich über die Jahre hinweg begleitet habe dann fällt mir auf... Die meisten Trennungen beginnen nicht dort wo sie sichtbar werden.
00:04:01: Sie beginnen viel früher.
00:04:03: Beginnen wir mit der Frage warum haben wir?
00:04:07: Warum habe ich eigentlich geheiratet?
00:04:11: und was habe ich geheirate?
00:04:14: den Menschen oder ein Bild, das ich von einem Leben hatte, dass in Erfüllung gehen sollte.
00:04:19: Ein Wunsch!
00:04:21: Ich glaube ehrlich gesagt ist es oft das Bild und das ist keine Wertung von mir – das ist zutiefst menschlich.
00:04:30: Wir alle tragen Vorstellungen in uns und haben Wünsche Von Liebe, von Familie, von dem wie das Leben sein soll Und wir suchen jemanden der dieses Bild passt mit dem wir dieses Bild verwirklichen können.
00:04:45: Was mir in meiner Arbeit immer wieder begegnet ist noch etwas anderes, etwas das noch tiefer sitzt!
00:04:53: Wir alle – jeder von uns – bringen Prägungen mit in eine Beziehung aus unserer Herkunftsfamilie und unserer Kindheit manchmal aus Generationen davor.
00:05:05: Der abwesende Vater die überkritische Mutter Muster, die wir oft gar nicht kennen und die trotzdem stark wirken.
00:05:15: Mir ist aufgefallen, dass in der Familie meines Mannes zum Beispiel ein ganz anderes Frauenbild gelebt wird als in meiner Ursprungsfamilie – ich spreche hier von der Generation, die den Zweiten Weltkrieg erlebt hat und der Nachkriegsgenerationen.
00:05:31: In meiner UrprungsfAMilie gab es immer sowohl auf Seiten meines Vaters starke, unabhängige selbstständige Frauen die eigene Geschäfte geführt haben.
00:05:44: Meine Großmutter mütterlicherseits hat ein Vieh-Handel geführt als einzige Frau unter
00:05:50: Männern.".
00:05:51: Jahrgang – Jahrzehntonzehn.
00:05:54: Daher war das Thema Gleichberechtigung oder du bist nur ein Mädchen?
00:05:58: bei uns nie wirklich NIE niemals ein Thema.
00:06:03: Wir hatten andere Themen.
00:06:05: Gleichberechtigung wurde bei uns seit Generationen gelebt und war einfach da.
00:06:11: Es gab weder bei meinen Großeltern noch bei meinen Eltern eine Haushaltsführungsehe.
00:06:17: Was war das Produkt?
00:06:18: Oder was ist das Produkt, das bin ich!
00:06:21: Eine starke unabhängige selbstständige Frau.
00:06:24: In der Familie meines Mannes hingegen werden die Männer auf einen Sockel gestellt.
00:06:30: Also es immer ganz wunderbar was die Männer alles können Und nein, was würde man ohne die Männer nur machen?
00:06:37: Die männlichen Familienmitglieder sind auf jeden Fall wie auch immer geartet besser als die Frauen und müssen bewundert werden.
00:06:46: Die Frauen hingegen – nun ja!
00:06:50: Die sind manchmal die Sündenböcke, die Schuldenträger, auf jeden fall weniger als die Männer und die Genügen auch nie.
00:06:57: Ich glaube, diesen Clash of Culture kann sich jeder vorstellen wenn eine selbstständige unabhängige junge Frau in einer, ich nenne es mal Familie kommt die eher nach dem Modell fünftiger Jahre ausgerichtet ist.
00:07:12: Wir haben uns arrangiert!
00:07:15: Ich finde all das faszinierend und berührend zugleich Denn all das zeigt uns, wie zutiefst menschlich wir alle sind.
00:07:24: Wir suchen im Partner oft etwas, dass wir so nie bekommen haben oder etwas, was uns nur zu vertraut ist und wiederholen etwas, das wir immer gekannt haben einfach weil es immer schon da war.
00:07:38: Und alles diese Bilder, diese Erwartungen, diese unsichtbaren Prägungen Das bringen wir mit in die Beziehung In Die Ehe!
00:07:47: Wir bringen ganze Familien mit ohne es zu wissen.
00:07:53: Es gibt noch etwas anderes, das mir in meiner Arbeit immer wieder auffällt.
00:07:58: Etwas, dass ich so oft erlebe, dass sich es kaum noch übersehen kann.
00:08:04: Dass Ich im Mittelpunkt!
00:08:07: Das zentrale Thema fast jeder Beziehung ist das Ich.
00:08:11: Das sage ich nicht als Vorwurf sondern ausdrücklich nur als Beobachtung und ich schließe mich selbst überhaupt nicht aus.
00:08:18: auch ich habe mich oft und aus unbewusster Bedürftigkeit heraus in den Mittelpunkt gestellt.
00:08:24: Wir leben in einer Zeit, in der das Individuum, dass ich im Zentrum steht.
00:08:30: Selbstverwirklichung persönliches Wachstum – das authentische Leben Das sind Errungenschaften und bestimmt keine schlechten Dinge Über.
00:08:40: die Medaille hat immer zwei Seiten Und vielleicht zahlen wir dafür einen Preis in der Beziehung Denn eine Beziehungen braucht auch etwas anderes als das Ich.
00:08:51: Sie braucht auch den Blick auf den anderen und dem Blick für den Anderen.
00:08:58: Und dieser Blick fehlt oft aus meiner Beobachtung heraus, nicht aus Wohlszeit oder Ignoranz sondern schlicht aus mangelndem Bewusstsein oder weil wir es nicht gelernt haben und dazu gehört dass wir einander zu wenig Wertschätzung zeigen.
00:09:16: das klingt banal aber ich glaube Es ist eine der tiefsten Erosionsphänomene in langen Beziehungen, die Kleingesten verschwinden.
00:09:27: Das Danke!
00:09:28: Dass ich sehe was du tust dass Du bist mir
00:09:31: wichtig.".
00:09:33: Es neulich erzählte mir ein Mandant des Entscheidungs.
00:09:35: ich vorbereite wie gut seine Frau die Doppelbelastung Haushalt Kinder und Beruf gemanagt hat.
00:09:42: das würde er klar sehen.
00:09:44: und trotzdem kämen vonseiten seiner Frau immer wieder die Vorwürfe an ihn der mangelnden Wertschätzung.
00:09:52: Ich habe ihn daraufhin gefragt, ob er das was er mir gerade gesagt hat auch mal so seiner Frau gesagt habe und nach einem Moment der Stille kam die Antwort nein.
00:10:08: vielleicht wäre das ein Anfang gewesen.
00:10:12: dann sind wir allen den Erwartungen ausgesetzt die Politik und die Gesellschaft strukturell schürt, und die meiner Meinung nach nicht erfüllbar sind.
00:10:22: Drei Kinder, Karriere, Partnerschaft auf Augenhöhe und alles gleichzeitig – das geht meiner Meinung noch nicht!
00:10:29: Es sei denn man hat full-time betreuende Großeltern oder
00:10:33: Nennies.".
00:10:34: Ich habe acht Jahre studiert, eine Kanzlei aufgebaut.
00:10:38: Ich war im Ausland und bekam ein Kind in meine Mutter gepflegt.
00:10:42: Gleichzeitig habe ich dafür gesorgt dass das Familienleben funktioniert.
00:10:47: Das ist ein systemisches Ungleichgewicht.
00:10:50: Dass bisher meistens noch zu Lasten der Frauen geht!
00:10:55: Und es erzeugt Spannungen in den Familien die sich über Jahre aufschichten.
00:11:01: In dieser Zeit fühlte ich mich abgehängt, unfair behandelt, benachteiligt und noch nicht mal so sehr von meinem Mann sondern vom Leben.
00:11:13: Mein Mann machte Karriere und Ich stand am Herd.
00:11:18: Das fand ich ungerecht.
00:11:20: Rückblickend denke ich dass ich in diesen Jahren gewachsen bin auf einer anderen Ebene.
00:11:28: Dieser Lebensabschnitt hat mich innerlich tief verändert.
00:11:32: Meine Werte, meine Sicht der Dinger... Er hat mich selbst näher gebracht und mein Verständnis von Ehe-, Familie- und Arbeitsteilung verändert geprägt geformt und einen Grundstein gelegt für das was heute ist.
00:11:49: Und irgendwann gehen die Kinder und auch die Jugend.
00:11:54: unsere eigene Jugend geht Die große Stille kommt, das MT-Nest-Syndrom oder die große innere Veränderung.
00:12:06: Ich nenne es die Wechseljahre – die Zeit um die Fünfzig.
00:12:11: Viele Paare merken in der Zeit wir waren über zwanzig Jahre eine Familie.
00:12:18: und jetzt wo sind wir?
00:12:20: Jetzt wo die Kinder aus dem Haus sind?
00:12:22: Wo sind wir als Mann und Frau?
00:12:25: Wo Sind Wir Als Partner?
00:12:29: Viele Menschen sind in diesem Alter an einem Punkt angekommen, an dem sie so nicht weiter machen wollen.
00:12:38: Angepasst sein, stille Erwartungen erfüllen, dem vorgegebenen Karriereweg folgen!
00:12:45: Sie wollen endlich sie selbst sein – ihr Leben leben, frei sein bei sich selbst ankommen.
00:12:54: Zu lange haben sie sich zurückgenommen und dann gehen sie die Trennung.
00:13:03: Es gibt einen Moment, in dem etwas kippt.
00:13:07: Dieser Moment ist selten laut.
00:13:11: Meistens kündigt er sich an, ist aber sehr leise.
00:13:15: Das ist der Moment, indem die Hilflosigkeit größer wird als die Hoffnung.
00:13:20: Indem jemand nicht mehr weiß wie es weitergeht und auch nicht weiß, wie er mit der Trennung umgehen soll.
00:13:28: Und das gibt auch keinen Weg zurück mehr!
00:13:31: Was mich dabei am meisten berührt, ist dass die Menschen nicht gelernt haben mit Konflikten umzugehen.
00:13:38: Nicht in der Herkunftsfamilie, nicht in der Schule, nicht irgendwo.
00:13:43: Meistens wird Konflikt als Gefahr verstanden.
00:13:47: Konflekt bedeutet Konfrontation, Schmerz, nicht Verstandenwerden, Verlust – Verluste des Partners, der Sicherheit und manchmal auch das Selbst.
00:13:57: Also weichen wir aus….
00:13:59: Und dann kommt der Impuls weg, schnell weg.
00:14:04: Denn dann ist endlich alles vorbei Dann kann ich endlich wieder aufatmen.
00:14:11: Ich verstehe diesen Impuls Erst menschlich.
00:14:15: erster Versuch den Schmerz zu beenden und vielleicht wieder zudem zurückzukehren was angenehm ist und was man kennt.
00:14:24: Doch das is ein Missverständnis meiner Meinung nach.
00:14:28: Die Trennung vom Partner beendet den Konflikt nicht, sie verlagert ihn.
00:14:33: Der Konflekt sei es der eigene innere Konflkt oder die Partnerschaftskonflikte im Außen bekommen nun noch eine weitere Dimension hinzu.
00:14:44: Einkommen, Vermögen, Altersvorsorge – gemeinsam aufgebaut muss nun geteilt werden.
00:14:50: Das finden die Männer in der Regel nicht so gut und machen das nicht so gerne.
00:14:55: Wo leben die Kinder?
00:14:57: Nicht bei mir die größte Angst der Mütter.
00:15:00: Ein Anwalt muss her, der regelt das, der weiß wie es geht.
00:15:04: Das stimmt zumindest auf Sachebene was die Teilung der Finanzen anbelangt.
00:15:10: Eine weitere Ebene findet in mir selbst statt eine weitere Dimension kommt hinzu Wer bin ich?
00:15:18: wer will ich sein?
00:15:20: Rollen verändern sich Aufgrund der Trennung.
00:15:24: Identitäten wollen neu gefunden werden.
00:15:27: Die Ebene des, was ist eigentlich passiert und wie konnte es überhaupt so weit kommen, taucht auf.
00:15:35: Diese Anzuschauung dazu gehört Mut, Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und Reflexion.
00:15:42: All das braucht Zeit!
00:15:47: Die nächste Ebene ist die Zukunft – die alten Muster, die Alten Wunden, die alten Reaktionen, die Vergangenheit geht mit.
00:15:57: Will ich das?
00:15:59: dass all das mitgeht in die nächste Beziehung, in den Umgang mit den Kindern.
00:16:03: In die Verhandlungen über Geld und Zukunft?
00:16:07: oder wie soll meine Zukunft eigentlich aussehen?
00:16:09: Und wie kann ich das gestalten?
00:16:12: Mit der Trennung fängt es in gewisser Weise alles erst an.
00:16:17: Das ist keine schlechte Nachricht Es ist eine ehrliche!
00:16:21: Ich möchte euch die Chance aufzeigen, die darin liegt Die Chance für Transformation Für Wachstum die Chance zu lernen, es besser zu machen bei sich selbst anzukommen.
00:16:35: Und irgendwann kann ich dafür vielleicht dankbar sein.
00:16:40: Irgendwann kann ich vielleicht dankbaar sein für die Zeit, die wir gemeinsam hatten – für unsere wunderbaren Kinder!
00:16:50: Wenn nicht gefragt wird was eine Trennung wirklich braucht dann sage ich zuerst immer dasselbe Zeit und Selbstreflexion Und das ist nicht einfach, denn alles in uns und alles um uns herum drängt zur Eile.
00:17:06: Schnell entscheiden, schnell regeln, schnell abschließen!
00:17:09: Der Schmerz soll aufhören die Unsicherheit soll enden dass neue Leben soll beginnen.
00:17:14: so ist die Zeit in der wir leben.
00:17:17: Ich verstehe das und trotzdem erlebe ich immer wieder Trennungen und Menschen brauchen Zeit.
00:17:26: Zeit, um zur Ruhe zu kommen.
00:17:33: Um zu verstehen was eigentlich passiert ist.
00:17:36: Zeit zur Klärung.
00:17:39: Langsamkeit ist keine Schwäche sie ist Kompetenz und dazu gehört etwas das ich für sehr wichtig halte Pausen machen den Verhandlungstisch verlassen dürfen durchatmen und dann zurückkehren mit etwas mehr Klarheit Mit etwas mehr Abstand, mit etwas mehr Bereitschaft.
00:18:06: Was die Trennung außerdem braucht ist die Bereitshaft dran zu bleiben eigene Lösungen zu finden gemeinsam soweit das möglich ist nicht zu delegieren was man selbst gestalten kann.
00:18:19: denn was zwei Menschen miteinander aushandeln trägt mehr als dass was ein Gericht entscheidet es trägt weil es das ihre isst.
00:18:31: Die Lösungen, die das Paar findet sind deren Lösungen.
00:18:36: Sie haben sie mit Unterstützung selbst entwickelt.
00:18:40: Dabei werden Emotionen geklärt – es findet eine gewisse Befriedung statt.
00:18:45: Klarheit darf kommen, eine neue Art der Verbindlichkeit darf entstehen.
00:18:51: Das ist das was trägt!
00:18:53: Nicht der Schriftssatz nicht das Gerichtsverfahren, und anschließend in ein rechtssicheres Kleid gewandet wurde, die trägt.
00:19:05: Und dafür braucht eine Trennung die richtige Begleitung – nicht jemanden der kämpft sondern jemanden, der gestaltet, der zuhört, der die individuelle Situation versteht und nicht nur den Paragrafen.
00:19:21: Jemand, der weiß dass hinter jedem Fall einen Mensch, eine ganze Familie manchmal Generationen stehen.
00:19:28: Das ist das Bild, dass ich von meiner Arbeit habe.
00:19:32: Nicht als Retterin – das bin ich nicht und das will ich nicht sein!
00:19:35: Ich habe auch keinen Zauberstab mit dem ich Wünsche wahr werden lassen oder Konflikte in Luft auflösen kann.
00:19:42: Ich kann anbieten dich zu unterstützen.
00:19:45: Als Navigator.
00:19:47: Als Kompass.
00:19:48: Als Katalysator.
00:19:49: Als Dein Versterker.
00:19:51: Als jemand der den Weg kennt, der Dich sicher begleitet während Du Den Weg Deinen Weg
00:19:57: gehst.".
00:20:00: Jetzt komme ich zu etwas, das sich für grundlegend wichtig halte.
00:20:03: Das ist die Ebene fünf was Recht kann und was Recht nicht kann Und ich finde es wichtig das wirklich zu verstehen.
00:20:13: Was kann das Recht?
00:20:16: Das Recht kann Geld aufteilen im Zugewinnen unterhalt altersversorgung.
00:20:20: Das sind die Instrumente des Familienrechts.
00:20:23: Die sind wichtig sie sind notwendig Aber Sie sind auch alles was das recht kann.
00:20:29: Ich möchte an dieser stelle Die kindbezogenen Themen bewusst weglassen.
00:20:34: Das gehört meiner Meinung nach ohnehin nicht vor Gericht oder in anwaltliche Hände, das Gericht und das Recht kann keinen Schmerz anerkennen.
00:20:44: Das Recht kann keine Ungerechtigkeit heilen, keine Enttäuschung ausgleichen die sich über Jahre aufgeschichtet hat.
00:20:52: Es kann nichts sagen du hast mehr gegeben als du bekommen hast.
00:20:57: Das Recht kennt Ansprüche und Gegenansprüche, der eine gewinnt, der andere verliert.
00:21:02: Beide sind Verlierer!
00:21:05: Die Fälle heißen nicht umsonst in der Ehe-Sache, in der Unterhaltssache oder in der Zugewinnausgleichssache.
00:21:10: Es sind Sachen die verhandelt werden gegen Ständer aus denen sich Werte zur Gebührenbemessung ergeben.
00:21:17: Es werden keine Leben und keine Menschen verhandeln – das ist gut so.
00:21:23: Und der Anwalt?
00:21:25: Und ich spreche jetzt auch über das System, in dem Ich arbeite.
00:21:29: Der Anwalt ist oft überfordert mit dem was die Menschen wirklich mitbringen – Mit den Emotionen, dem Schmerz der Wut und der Hilflosigkeit.
00:21:39: Das ist nicht sein Handwerk!
00:21:41: Der Anwald ist ausgebildet für Paragrafen, nicht für Menschen.
00:21:46: Oft höre ich den einen oder anderen Kollegen sagen Jetzt hören sie doch mal auf zu weinen.
00:21:52: Ein Satz aus Hilflosigkeit herausgesagt.
00:21:56: Der Anwalt verhandelt den Fall, die Sache – nicht die Emotion, nicht das Leben dieses Menschen!
00:22:04: Und doch wird der Anwald zum Rettungsanker.
00:22:08: Die Mandanten übertragen alles auf ihn, die Hoffnung, die Wut und die Erwartung, dass endlich jemand für sie kämpft und vor allem die Verantwortung für die Trennung und deren Gelingen.
00:22:22: Dadurch entstehen Stellvertreter-Kriege.
00:22:25: Der Kollege Bluthund und die Kollegin Wadenbeißer stellen sich vor, weil das das Werkzeug ist.
00:22:32: Weil das System es so eingerichtet hat!
00:22:35: Ich möchte euch an dieser Stelle von einer schwierigen Trennung erzählen da der Mann meiner Mandantin kommunikativ nicht erreichbar war.
00:22:44: Es war wirklich nichts zu machen egal was wir versuchten.
00:22:49: Er blieb in seinem System der Entwertung des Sarkasmus, der Kontrolle und vor allem der Abwehr stecken.
00:22:56: Dann beauftragte er ein Anwalt – endlich dachte ich!
00:23:01: Es kommt Erleichterung und wir kommen raus aus dem Spiel der Abwehr hinein in eine Gestaltung.
00:23:08: Doch weit gefehlt.
00:23:10: Der Kollege, der sich selbst und ist kein Scherz als renommierter Anwald im Familienrecht bezeichnet, spielte genau dieses Spiel weiter.
00:23:19: Ein schließlich Stundenplan, wer wann an welchen Tagen den Hund ausführt.
00:23:25: Ich bekam Schreiben von ihm.
00:23:27: wäre es nicht so tragisch und ernst gewesen mit deren Inhalt hätten wir einen Saal füllen können.
00:23:34: Thorsten Sträter hätte unglaubliches daraus gemacht.
00:23:39: Aus der Distanz betrachtet Wirken diese Stellvertreter schreiben oft bis an die Grenze des Lächerlichen.
00:23:47: Was ich damit sagen will ist Es ist nicht immer gut und ratsam, die Schuhe des Mandanten anzuziehen und zu wiederholen.
00:23:55: Schon gar nicht als renommierter Anwalt im Familienrecht!
00:24:00: Es kann durchaus gut und hilfreich sein auch und gerade für den eigenen Mandanten ihn zu beraten etwas zu sagen dass der Mandant nicht hören will Grenzen zu setzen Für das was bleibt.
00:24:14: Und am Ende wenn beide kämpfen haben beide verloren und dazu noch viel mehr als nötig gewesen wäre.
00:24:24: Ich glaube, wir brauchen ein anderes Bild – der Anwalt nicht als Kämpfer sondern als Gestalter!
00:24:34: Nicht der Retter, sondern der Navigator!
00:24:37: Jemand, der das Recht kennt und der gleichzeitig weiß dass das Recht allein nicht reicht.
00:24:45: ich komme zurück womit ich begonnen habe.
00:24:48: Auch ich habe kein Patentrezept und nicht nie eine Erfolgsgeschichte, die ich erzählen kann.
00:24:55: Denn jede Trennung ist anders.
00:24:57: Jeder Mensch ist anders.
00:24:59: Was für Sabine passt, passt für Frank eben nicht.
00:25:05: Aber es gibt etwas das sich dir mitgeben möchte Suche dir jemanden der dich stützt Und nicht noch mehr belastet Jemandem der mit dir gestaltet und nichts zerstört.
00:25:15: Es geht um Dich!
00:25:17: Es geht Um Deine Familie oft auch um deine Freunde, um deine Kinder und um deine Zukunft.
00:25:25: Such dir einen Anwalt einer Anwältin die diese fünf Ebenen kennt Die versteht das.
00:25:32: hinter deiner Trennung eine Geschichte steckt ein Menschenleben Eine lange vielschichtige menschliche Geschichte.
00:25:43: Suche dir jemanden der nicht nur auf die Paragrafen schaut sondern auf dich.
00:25:48: Nimm dir Zeit.
00:25:50: Ich weiß, dass alles in dir nach Schnelligkeit ruft.
00:25:54: Aber Langsamkeit ist kein Verlust, sie ist ein Gewinn!
00:25:58: Es gibt dieses Sprichwort – wer schnell sein will muss langsam gehen.
00:26:03: Mach Pausen.
00:26:04: Geh weg vom Verhandlungstisch wenn es zu viel wird und komm zurück, wenn du wieder kannst.
00:26:10: Bleib dran eigene Lösungen zu finden.
00:26:13: Was Du mit Deinem Partner gemeinsam aushandelst das gehört Euch.
00:26:18: Es trägt länger als jedes Urteil Und dann, irgendwann ist es möglich ein neuer Anfang nicht trotz der Trennung sondern durch sie freier klarer mit dem Wissen das du diesen Weg selbst gegangen bist.
00:26:39: Das ist es was ich mir für die Menschen wünsche die zu mir kommen und für alle die zuhören.
00:26:52: Wenn dich heute etwas berührt hat, eine Ebene die du wieder erkannt hast ein Gedanke der geblieben ist dann nimm ihn mit.
00:27:01: Du musst ihn nicht sofort einordnen.
00:27:03: Manchmal braucht es Zeit bis etwas seinen Platz findet.
00:27:08: In der nächsten Folge schaue ich auf etwas das unsere Arbeit als Anwältinnen und Anwälte gerade grundlegend verändert Und dass auch Dich als Mandant als Mandatin betreffen wird Künstliche Intelligenz und das Bild der Anwaltschaft.
00:27:27: Was sie kann, was sie nicht kann und dass das für kluge Trennungen bedeutet.
00:27:33: Ich hoffe du bist auch das nächste Mal wieder dabei!
00:27:37: Bis dahin alles Liebe Deine Bettina.
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